Was sollte ich für eine Arbeitsstunde in Rechnung stellen?
Heute habe ich mir den beliebten Schuldenberater auf RTL angeschaut. Es war ein Fall, in dem es um die Mutter und Ihr erwachsenes Kind ging. Ich möchte nicht den kompletten Inhalt wiederkauen. Aber die Frau hatte mehrere Ideen für eine Zukunft in der Selbstständigkeit. Nageldesign wäre Ihr Ding. Wieviel Sie Ihren Kunden denn für Ihre Dienste berechnen müsste, wusste Sie nicht genau. Sie müsse sich die Konkurenz anschauen.
Wie errechne ich nun wirklich den Stundensatz, den ich meinen Kunden in Rechnung stellen muss? Gar nicht einfach. Viele orientieren sich tatsächlich an die Konkurrenz. Aber der bessere Weg ist eigentlich ein Mischweg. Ich gehe nun erst einmal auf die Rechnung ein.
Als erstes muss ich mir meiner Kosten bewusst sein. Nehmen wir folgendes Beispiel:
Kostenaufstellung Geschäft (monatlich):
Bürokosten / Büromiete: 175,00€
Fahrtkosten: 200,00€
Kosten für Ausstattung: 200,00€
Telefon: 100,00€
Computer: 100,00€
Geschäftsausstattung: 70,00€
Versicherungen: 200,00€
Pflichtbeiträge: 20,00€
Gebühren für Bank und Steuerberater: 90,00€
Summe der monatlichen Kosten: 1.155,00€
(oder 13.860,00€ im Jahr)
Das war der erste Schritt. Nun brauchen wir auch noch den privaten Teil.
Kostenaufstellung Privat(monatlich):
Miete (warm) für Wohnung: 599,00€
Lebensmittel und Kosmetik: 420,00€
Freizeit / Vereinsmitgliedschaften usw.: 300,00€
Summe der monatlichen Kosten: 1.319,00€
(oder 15.828,00€ im Jahr)
Nun kommen wir zur eigentlich Arbeit. Nehmen wir folgendes an. Das Jahr hat 365 Tage und außerdem 260 Arbeitstage. Nun gibt es noch gesetzliche Feiertage (im Schnitt 15), 10 Tage wollen wir Urlaub und 10 Tage sind wir krank (oder machen blau, denn wir betrügen uns ja selbst).
Die Selbständigkeit suggeriert immer einen längeren Arbeitstag. Da mache ich gerne mit. Wir rechnen mit 10 Arbeitsstunden pro Tag. Davon arbeiten wir nicht immer auf Kosten unserer Kunden. Angebote, Rechnungen und die tägliche Korrespondenz muss geschrieben werden. Und irgendwann müssen wir den Kunden ja auch erstmal gewinnen. Wenn wir es nur schaffen 50% unserer Arbeitszeit an den Kunden zu verkaufen, dann sind wir in der Regel schon gut. Ich rechne also mit 5 Arbeitsstunden pro Tag, die ich in Rechnung stellen kann.
Pro Jahr ergeben sich somit 1.125 Arbeitsstunden, die ich in Rechnung stellen kann und genausoviele Arbeitsstunden, die ich nicht bezahlt bekomme.
Nehmen wir außerdem an, dass ich nach der Bezahlung aller privaten und geschäftlichen Ausgaben noch einen Gewinn von 5000,00€ im Jahr machen möchte. Diese 5000,00€ kann ich mir dann real unters Kopfkissen packen. Ich brauche Sie nicht.
Ich komme nun auf einen benötigten Jahresumsatz von 45.102,00€. Knapp 10.500,00€ davon wird mir das Finanzamt abnehmen.
Mein Stundenlohn müsste bei 40,09€ pro Stunde liegen, um einen Jahresumsatz von 45.102,00€ zu erwirtschaften. Der Break-Even Stundenpreis läge bei 33,42€ (Jahresumsatz dann 37.602,00€ bei ca. 8.000,00€ Steuern).
Wenn ich auf mein eigenes Büro verzichten würde und von zu Hause aus arbeiten könnte, dann würde ich mit 36,09€ pro Stunde auskommen. Oder als Break-Even mit 31,65€.
Ich hoffe diese Erläuterung schafft einen kleinen Einblick in die Berechnung des Preises der eigenen Arbeitsstunde. Wir werden diesen Artikel besonders beobachten und bei Interesse der Leser einen Stundenrechner für verschiedene Branchen anbieten.
Tags: arbeitsstunde, preis, stundensatz








Genial. So simpel. Aber die erste Rechnung zu dem Thema, die ich sehe, die Sinn macht.
Danke !